IFRS Konzernabschluss: Strukturiertes und einheitliches Datenformat ab 2020 - Digitale Transformation der Finanzberichterstattung

Die digitale Transformation steht den traditionellen Prozessen, beginnend mit der Erstellung des Konzernabschlusses, der Prüfung, der Publikation bis hin zur Nutzung durch die Investment Professionals bevor.

 

Sicher, es gibt Konzernabschlüsse im PDF-Format zum Download, in Tabellenkalkulationen aufbereitete Bilanzen für Investoren, kostenpflichtige Datenbanken für Investment Professionals doch durchgängige, effiziente Prozessketten sehen anders aus. Volkswirtschaftlich ist das ineffizient.

 

Die Transparenz von Finanzinformationen und ihre effiziente Nutzbarkeit ist eine zentrale Voraussetzung, um alle Emittenten von Wertpapieren gleichberechtigt und kostengünstig mit Kapital zu versorgen.

 

Das Europäische Parlament hat die Ineffizienzen am Kapitalmarkt im Jahr 2013 erkannt und mit der neuen Transparenz-Richtlinie die Grundlagen gelegt, so dass Jahresfinanzberichte ab dem 1. Januar 2020 in einem strukturierten Format, wie XBRL, zu erfolgen haben. Die European Securities and Markets Authority (ESMA), die europäische Aufsichtsbehörde für die Kapitalmärkte, hat am 21. Dezember 2016 erklärt, dass Inline XBRL die am besten geeignetste Technologie ist, um die EU-Anforderungen an ein strukturiertes, einheitliches Datenformat zu erfüllen.

 

Sofern, laut der Pressemitteilung der ESMA vom 21. Dezember 2016, ein Jahresfinanzbericht einen IFRS-Konzernabschluss enthält, muss Letzterer zukünftig mit Inline XBRL ausgezeichnet werden. Damit ist es möglich, IFRS-Konzernjahresabschlüsse in doppelter Weise zu nutzen: Finanzberichte können im Internet-Browser angezeigt werden, gleichzeitig sind die darin ausgezeichneten Daten, zum Beispiel die Berichtspositionen in der Konzernbilanz, einzeln automatisiert identifizierbar, auswertbar und nutzbar.

 

Die gewünschten volkswirtschaftlichen Effekte werden sich nur insoweit einstellen, als dass die digitale Transformation die Datennutzer, die Investment Professionals und Investoren tatsächlich erreicht. Zudem muss die Versorgung mit Finanzinformationen, die anschließende Informationsanalyse und Nutzung der Daten, eine Eigendynamik bekommen, die daraus resultiert, dass die einzelnen Transformationseffekte der Beteiligten sich gegenseitig verstärken.

 

Folgende Erfolgsfaktoren sind dabei wesentlich:

 

  • XBRL-Daten mit unternehmensindividuellen Positionen müssen automatisiert vergleichbar und somit effizient nutzbar sein. Dazu muss sichergestellt werden, dass die Regeln für die Auszeichnung mit XBRL sowie für unternehmensindividuelle Positionen durch Emittenten und Softwareanbieter umfassend und in der EU einheitlich angewendet werden.
  •  Die gesetzlichen Pflichtberichte mit XBRL-Daten müssen für alle Beteiligten gleichberechtigt, kostenlos und auch für automatisierte Abrufe aus dem Internet zur Verfügung stehen.
  •  Die XBRL-Daten der Emittenten müssen verlässlich sein, von Wirtschaftsprüfern geprüft und von beiden elektronisch signiert sein.

 

Nur bei Erreichen dieser Erfolgsfaktoren werden hohe Investitionen in die Entwicklung neuer Software & Prozesse wirtschaftlich Sinnmachen, ein Innovationsschub wird ausgelöst, die digitale Transformation greift, ineffiziente Prozesse werden nach und nach aufgelöst.

Sämtliche Beteiligte beziehungsweise ihre Verbände sollten daher den Gesamtprozess der Finanzberichterstattung vom Beginn bis zum Ende (den Nutzern) adressieren – im eigenen Interesse und im gesamtwirtschaftlichen Interesse einer erfolgreichen digitalen Transformation der Finanzberichterstattung von morgen.

 

 

Quelle: Auszug aus der Börsenzeitung vom 10.06.2017, S. 34